Niedersachsens Tierschutzplan - nur zur Akzeptanzverbesserung von Agrarfabriken?

Neuerliche Äußerungen der Abteilungsleiterin für Verbraucherschutz, Tiergesundheit und Tierschutz im niedersächischen Agrarministerium, Heidemarie Helmsmüller, bei einem Kongress der Futtermittelindustrie haben laut Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) neue Zweifel an der Ernsthaftigkeit des Niedersächsischen Tierschutzplans von Agrarminister Lindemann geschürt. Wie die AgrarZeitung berichtet, hatte Helmsmüller am 18.4. in Großenkneten vor Mitgliedern des Deutschen Verbands Tiernahrung (DVT) erklärt, Niedersachsen setze „auch künftig auf industrielle Strukturen im Tiersektor“, und zu „arbeitsteiliger Landwirtschaft und zu industriellen Strukturen in der Tierhaltung sehe die Landesregierung keine Alternative“. Mit dem niedersächsischen Tierschutzplane solle lediglich „ein Beitrag geleistet werden, große Anlagen für die Bevölkerung akzeptabler zu gestalten“.

Die AbL wies darauf hin, dass die seit 2008 amtierende Abteilungsleiterin auch in früheren Medienberichten mit eher verharmlosenden und beschönigenden Äußerungen zur agrarindustriellen Qualhaltung aufgefallen sei. So zitierte dpa Frau Helmsmüller im Oktober 2010 zur massiven Antibiotika-Anwendung in der Hähnchenmast so, dass das Ministerium „keinen Grund für striktere Regeln“ sehe und dass „alles ordnungsgemäß und rechtskonform“ sei. Bei einem Forum der Braunschweiger Zeitung im November 2011 vertrat Helmsmüller die in Fachkreisen wenig akzeptierte Ansicht, die massiven Fußballen-Entzündungen der auf eigenem Kot eng gedrängt stehenden Masthühner könnten „durch ein gutes Stall-Management leicht behoben werden“. Ohnehin sei Fleisch mit geringen Mengen Antibiotika „unbedenklich für den Verzehr“.

AbL-Sprecher Eckehard Niemann forderte das niedersächsische Agrarministerium auf, diese zitierten Äußerungen entweder rasch richtig zu stellen oder zu prüfen, ob die Abteilungsleiterin die neue propagierte Tierschutz-Ausrichtung des Ministeriums wirklich verstanden habe und mittragen könne. Wenn Ministerpräsident McAllister und Minister Lindemann von einer ergebnisoffenen Prüfung sprächen, welche Haltungsbedingungen und Betriebsgrößen künftig notwendig seien, dann sei eine solche Vorfestlegung ihrer Tierschutz-Abteilungsleiterin auf agrarindustrielle Strukturen nicht hinnehmbar. Bauern, Verbraucher und Bürger jedenfalls erwarteten eine Ausrichtung der Nutztierhaltung auf eine artgerechte Tierhaltung mit mehr Platz, auf Stroh, mit Auslauf und eigener Futtergrundlage. Eine solche Tierhaltung könnten nicht agrarindustrielle Strukturen, sondern nur mittelständisch-bäuerliche Betriebe unterhalb der Grenzen des Bundesimmissionsschutzgesetzes mit maximal 1.500 Schweinemast-, 560 Sauen- und 15.000 Geflügelplätzen gewährleisten.

21.04.2012

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