AbL gegen Agrarindustrie- und Pharmakonzern-Abhängigkeit von Tierärzten

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) hat die Hersteller von Tierpharmaka aufgefordert, ihre Antibiotika-Abgabemengen nunmehr unverzüglich und pflichtgemäß an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) zu melden und diese Information nicht weiter zu verzögern. Offenbar gebe es Antibiotika-Warenströme, die der Öffentlichkeit nicht bekannt werden sollten. In diesem Zusammenhang verwies die AbL darauf, dass die großen Agrarfabriken von Geflügel- und zunehmend auch Schweinekonzernen weitgehend durch einige wenige Tierarzt-„Megapraxen“ betreut und mit Antibiotika beliefert würden. Diese Nähe zwischen Agrarindustriekonzernen und einigen wenigen Tierärzten müsse endlich aufgebrochen werden. Auch die enge Liäson bestimmter Funktionäre einiger berufsständischer tierärztlicher Organisationen wie des Bundesverbands praktizierender Tierärzte (BPT) mit agrarindustriell ausgerichteten Verbänden gehöre auf den Prüstand.

Die AbL forderte Agrarministerin Aigner auf, endlich das Dispensierrecht abzuschaffen, das den Tierärzten den Verkauf von Tierarzneimitteln sichere. Tierärzte müssten stattdessen wesentlich stärker für die Beratung und Umsetzung in Sachen artgerechter Tierhaltung honoriert werden. „Die vielen konzernunabhängigen Tierärzte und die Vertreter einer bäuerlichen Landwirtschaft“, so AbL-Agrarindustrie-Experte Eckehard Niemann, „müssen künftig noch viel stärker zusammenarbeiten bei der Durchsetzung einer artgerechten Nutztierhaltung ohne eine systembedingte Abhängigkeit von Antibiotika.“ Die AbL forderte die Landesregierungen auf, für eine stärkere Unabhängigkeit der Kreisveterinäre von agrarindustrienahen Landräten zu sorgen.
15.04.2012

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